Wer den Teufelsberg besucht, steigt durch den Grunewald auf – Kiefern, Laub, Sand und Moos unter den Füßen. Dass solche Ausflüge den Kopf frei machen, ist bekannt. Spannend ist eine neuere Forschungsrichtung: Sie untersucht, wie Mikroorganismen aus Boden und Pflanzen mit den Mikroben in und auf unserem Körper zusammenhängen. Dieser Beitrag erklärt, was dahintersteckt, was die Forschung bisher zeigt und warum Natur kein Wundermittel, aber ein guter Begleiter für die Gesundheit ist.
Ein Teelöffel Waldboden: mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde
Gesunder Waldboden ist eines der artenreichsten Ökosysteme überhaupt. In einem Teelöffel Erde leben Milliarden Bakterien und Pilze, die Laub zersetzen, Nährstoffe freisetzen und Pflanzen versorgen. Viele Pflanzen gehen enge Partnerschaften mit Pilzen und Bakterien an den Wurzeln ein.
Über Pflanzen, Wasser, Luft und den direkten Kontakt kommen auch wir Menschen ständig mit diesen Mikroben in Berührung. Ein Teil davon landet auf Haut und Schleimhäuten, ein kleiner Teil gelangt mit der Nahrung in den Darm.
Das Mikrobiom-Kontinuum: Boden, Pflanze, Mensch
Forschende sprechen inzwischen von einem Kontinuum: Die Mikrobengemeinschaften von Boden, Pflanzen, Tieren und Menschen sind miteinander verbunden. Eine bekannte Studie aus Finnland hat zum Beispiel Kindergartenhöfe mit Waldboden, Rasen und Pflanzen begrünt. Nach einigen Wochen hatten die Kinder eine vielfältigere Hautflora, und einige Immunwerte veränderten sich in eine günstige Richtung.
Solche Ergebnisse passen zur sogenannten „Old Friends“-Hypothese, nach der unser Immunsystem den regelmäßigen Kontakt mit Umweltmikroben braucht, um gut zu funktionieren. Was davon gut belegt ist und wo die Wissenschaft zur Vorsicht mahnt, beschreibt der Beitrag „Boden, Pflanzen, Darm“ auf klinisches-mikrobiom.de. Wichtig: Aus dem Zusammenhang folgt noch keine Gesundheitsgarantie für den Einzelnen.
Gut zu wissen
Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg aus dem Schutt des Zweiten Weltkriegs. Heute ist er dicht bewaldet – ein Beispiel dafür, wie schnell Natur und Bodenleben sich Flächen zurückerobern.
Was ein Ausflug ins Grüne bewirken kann
- Bewegung: Wandern oder Spazieren fördert Kreislauf und Verdauung und wirkt nachweislich auf die Darmflora.
- Stressabbau: Zeit im Wald senkt in Studien Puls, Blutdruck und Stresshormone.
- Kontakt mit Umweltmikroben: über Luft, Pflanzen und Erde.
- Tageslicht: stabilisiert die innere Uhr, die auch den Rhythmus des Darms steuert.
Für viele Menschen ist gerade die Kombination wertvoll: Ein Aufstieg auf den Teufelsberg ist Bewegung, Aussicht und Naturerlebnis in einem. Wer den Ausflug mit einem Picknick aus Vollkornbrot, Obst und Gemüse verbindet, tut auch der Darmflora etwas Gutes.
Stadtnatur: Warum Grünflächen in Berlin wichtig sind
In einer Großstadt wie Berlin sind Wälder, Parks und Brachen mehr als Erholungsorte. Sie kühlen im Sommer, filtern Luft, speichern Wasser und bieten Lebensraum für Pflanzen, Tiere – und Mikroorganismen. Forschende vermuten, dass Menschen in sehr naturfernen Umgebungen weniger vielfältigen Umweltmikroben begegnen. Diskutiert wird, ob das zur Zunahme von Allergien und anderen Immunerkrankungen in Städten beiträgt.
Belegt ist das noch nicht im Detail, aber die Hinweise reichen, um Stadtnatur ernst zu nehmen. Der Grunewald rund um den Teufelsberg ist dafür ein gutes Beispiel: ein großes, zusammenhängendes Waldgebiet mitten in der Stadt, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und für alle zugänglich.
Auch kleine Schritte zählen. Balkonpflanzen, Gemeinschaftsgärten, begrünte Höfe oder ein Spaziergang durch den nächstgelegenen Park bringen ein Stück Natur in den Alltag. Für Familien mit Kindern können regelmäßige Ausflüge in den Wald zu einer festen Gewohnheit werden – mit Entdeckungen am Wegesrand, Spielen im Laub und Picknick auf der Lichtung.
Wer den Wald besucht, sollte ihn schützen: auf den Wegen bleiben, keinen Müll hinterlassen, Hunde in Schutzgebieten anleinen und Pflanzen nicht ausreißen. Gesundes Bodenleben braucht Ruhe.
Naturzeit als Gewohnheit
- Regelmäßig statt selten: Mehrere kurze Spaziergänge pro Woche bringen mehr als ein einmaliger Ausflug.
- Abseits des Asphalts: Waldwege und Wiesen statt Gehweg.
- Hände ins Grüne: Gärtnern, Pflanzen umtopfen, Pilze und Kräuter bestimmen (nur sammeln, was man sicher kennt).
- Regional und saisonal essen: Frisches Gemüse und Obst liefern Ballaststoffe für die Darmbakterien.
- Kinder draußen spielen lassen: Ein bisschen Erde an den Händen ist in der Regel kein Problem; nach dem Spielen und vor dem Essen Hände waschen.
Was Natur nicht leisten kann
Ein Waldspaziergang ersetzt keine Behandlung bei Erkrankungen und keine ausgewogene Ernährung. Auch „Erde essen“ oder ähnliche Trends sind nicht zu empfehlen – Böden können Krankheitserreger und Schadstoffe enthalten. Der Gewinn liegt in der Summe aus Bewegung, Erholung und Vielfalt.
Kurz zusammengefasst
Boden, Pflanzen und Menschen teilen ein verbundenes Mikrobiom-Kontinuum. Studien zeigen, dass mehr Kontakt mit vielfältiger Natur die Haut- und Darmflora sowie Immunwerte günstig beeinflussen kann. Der Effekt ergibt sich aus Bewegung, Stressabbau, Tageslicht und Umweltmikroben. Natur ist kein Heilmittel, aber ein wertvoller Teil eines gesunden Alltags.
Häufige Fragen
Beeinflusst die Natur mein Darmmikrobiom?
Indirekt ja, über Bewegung, Ernährung, Stressabbau und den Kontakt mit Umweltmikroben. Wie groß der direkte Effekt ist, wird noch erforscht.
Ist Erde an den Händen gesund?
Gelegentlicher Kontakt mit Erde ist für die meisten Menschen unproblematisch und möglicherweise sogar günstig. Vor dem Essen sollte man trotzdem Hände waschen.
Wie oft sollte man in die Natur gehen?
Studien zu Stressabbau sehen Effekte schon bei etwa zwei Stunden pro Woche im Grünen.
Hilft Gärtnern dem Mikrobiom?
Gärtnern verbindet Bewegung, frische Luft und Kontakt mit Bodenmikroben. Erste Studien deuten auf günstige Effekte hin, belastbare Daten zum Darm fehlen noch.
Ist Waldbaden mehr als ein Spaziergang?
Waldbaden bezeichnet einen bewussten, langsamen Aufenthalt im Wald. Studien zeigen vor allem Effekte auf Stress und Wohlbefinden.
Quellen
- Roslund MI et al. (2020): Biodiversity intervention enhances immune regulation and health-associated commensal microbiota among daycare children. Science Advances 6: eaba2578.
- Rook GAW (2013): Regulation of the immune system by biodiversity from the natural environment: an ecosystem service essential to health. PNAS 110: 18360–18367.
- klinisches-mikrobiom.de: Boden, Pflanzen, Darm.